mein geheimer Garten

Komm herein, ruh dich aus, träumend 
hingestreckt ins hohe Gras, umflirrt vom Sonnenlicht,
umtanzt von Schmetterlingen und Libellen.
Eingebettet in den schweren Duft feuchten Grüns,
unterm dunklen Leuchten schwarzer Akeleien
murmelt sich Wasser den Weg durchs Moos.














 Jeannette Frei: Moosbett Nr. 2
 (Lustgartenausstellung im Herbst 08 in Mäder/A)
(c) Jeannette Frei    www.jeannettefrei.de 


frühling 5.5 

im verborgenen
verdeckt ermitteln verstohlen
sprießen rastlos wachsen quer treiben 
wild weiß knospen ausbrechen
rot sonnenwarmes
s e i n

Fenster zum Hof I

das Fenster zum Hof füllt sich mit Licht
blickt hinüber zum Fenster überm Hof
das lichtgefüllt den Tag längst begonnen hat
Schattengestalten vor blauen Monitoren
Nighthawks, Hacker, Streuner
gefangen im Netz, blind für den Morgen
der verloren ans Fenster pocht

Sieh da ...

die vier HÄUPTLINGE
ohne Kopfputz und Bemalung, nur geschmückt
mit flatternd bunten Schlipsen, übermütig
gegen alle Regeln zu Fuß unterwegs
mitten auf der Stadtautobahn
umtost von einer wild  hupenden Herde
heiliger Blechle

Kriegspfad? Frühling.

Sisyphos' Schwester

der Stein in meiner Brust ist ein treuer Begleiter
ich lasse ihn hüpfen wie einen Kiesel
er fällt mir als Wackerstein vom Herzen
ich bin Sisyphos' Schwester und
wälze die steinerne Last endlos bergan

ich gebe die Hoffnung nicht auf
dass er sich eines Tages verwandeln wird
ein unscheinbarer, grauer Vogel, der davonfliegt
Bote der Befreiung

Schattentanz


















die Gestalt deiner Schatten
ist kaum mehr zu fassen

sie zu fangen ist ein stiller Tanz
sie zu halten ein wortloses Ringen
sie zu befragen ein tonloses Singen
hier mitten im Frühling
nach so langer Zeit

Diese Zeilen sind für meine Mutter. Als sie starb,
war sie so alt, wie ich  jetzt bin.
Es war der 21. März, Frühlingsanfang. 

Foto: Katrin Schäflein www.picturepilot.de