Wiegenlied

nun gib endlich Ruh
lass die Unruh verfliehn
lass die Leine los
lass sie einfach ziehn

kommst du nicht zur Ruh
so kommt sie zu dir
und wer weiß, was geschieht
wenn's dann still wird in dir

komm ich helf dir, ich wieg
deine Unruh in den Schlaf 
hoch über uns ziehen
ganz gemächlich die Schaf

sie ziehen, egal was wir
tun auf der Welt
der Wind, der jagt sie
übers himmlische Feld

Zum Schluss noch Fragen?

Wolfgang Herrndorf* hat die gleiche Angst wie ich: Es ist die Angst vorm Unbekannten, das unterm Bett wohnt. Oder ist es sogar dieselbe Angst? 

ES, das Uralte, kauert im Dunkeln und kann nur durch den Wahnwitz eines Weitsprungs in die Federn überlistet werden. Ist egal, wie alt du bist. 10, 33 oder 57. Zählt allein die Wendigkeit und Schnelligkeit deines Sprungs.
Immer hockt das uralte Unbekannte da unten und lauert nur darauf, dass du allmählich nachlässig, langsamer wirst, dass es dich schließlich erwischen kann, gierig am Bein packen, genüßlich unters Bett ziehen. Und dann? Hörst du es?
Edgar Allan Poe. Deiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Bis du in der Kiste landest. Dann gibt's Ruh. Endlich.
Oder, besser noch, bis du dir einen Löwen aufs Bett setzt. Der brüllt's nieder.


* Der Autor von "Tschick" u. a. 
Und Phantasie wird für mich in jedem Fall mit ph geschrieben.


federleicht

ab ins geäst
und wippen picken
der baum hält still
genießt und lässt

besuch vor ort
mit kopf nach unten
freundlich nicken
weg und fort

zielstrebig eilen
rascheln huschen
nur flüchtig gründeln
kaum verweilen

nimm Drei

im Dunkeln erstes Gezwitscher
mein Atem tastet nach dir
.

nur für kurze Zeit
Wildlinge tanzen auf der Lichtung
.

frisch verliebter Wald
zwei Jogger in Ekstase


Sonnenanbeter

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zwei Sonnenanbeter
die sich verneigen
vor dem Frühlingsanfang