Wanderstein

Der Wanderstein wandert.

Er rollt von Istanbul bis Antalya. Er grüßt den Bosporus und das Marmarameer. Rollt weiter über Troja nach Pergamon nach Ephesus nach Pamukkale und landet an der Südküste. Er sieht viel Geschichten Tragendes, unter Geschichte Zusammengebrochenes, Zerfallenes. Gemäuer, vielleicht die eine und andere Eidechse darin huschen.

Er hat Geschichten zu berichten.
Vom Tuten der Schiffshörner am Bosporus. Vom Wehen des Winds über trockenem Gestein. Vom Flitzen der Eidechsen. Vom Rumpeln des Busses. Von Toten und von Lebenden.

Gesprächsfetzen. Gelächter. Musik. Gerüche. Farben.

Vom fremden weißen Sichelmond. Von den Lichtern Istanbuls und von dunklen Löchern im Nachthimmel, die nackte Sterne gnädig decken. Von Gräben, in die er rollt. Und davon, wie er es schafft, sich wieder zu befreien. Von Wegbereitern, Wegbegleitern, Wegelagerern.

Gute Reise    iyi yolculuklar!

foto: l.wetzel

taubenballett

eine taube oben auf dem dachfirst
zwei tauben auf dem dachfirst im späten sonnenlicht
drei tauben die sich mit geschlossenen Augen sonnen
vier tauben eine fünfte
und alle
zusammen in der späten sonne
hoch oben auf dem dach
nickend
gurrend
trippelnd
sich um die eigene achse
drehend

Paradies

Ein Garten. Es fließt Wasser und roter Wein, und es gibt gutes Brot in Hülle und Fülle. Und Du bist da.

Mehr als … sagst Du, mehr als Wein, der von selbst in den Mund fließt, und mehr als Brot, das wie selbstverständlich da ist.

Mehr als … , sagst du, das ist das Paradies.
Nicht mehr Wein, nicht mehr Brot. Mehr als das, was uns von selbst zufällt.

Mehr als ...du und ich?

Märzenbecher

die Unruhe
      vielleicht der Frühling

in den blauen Augen des Schäfers
treiben die Wolken

ein Gurgeln
aus den endlos verschlungenen
Gedärmen der Erde
inmitten von Märzenbechern
sprudelt Wasser
den Zug der Wolken
fröhlich nachäffend

die Unruhe
      vielleicht der Frühling

deine Augen
spiegeln mir den Himmel


street photographie























so tun als ob
damit der schnappschuss
nicht in der luft
hängen bleibt

foto: jim martin