Wär doch gelacht ...

Wir steigen aufs Tandem und treten los, was das Zeug hält. Wir, das sind du und ich, das bist du, das bin ich. Wir treten los und hoffen, dass die Bremsen notfalls greifen. Wir trebbeln im Takt der Musik, unsrer Musik, die nur wir hören, wir zwei, du und ich. Wir sehen uns nicht um. Sieh-um-dich ist ein Angstwort.  Sieh-um-dich ist eine schmale Gasse, aus der kein Entkommen ist. Sieh-um-dich ist eine Hetzjagd im Dunkeln.
Wir trippeln und trappeln und lassen alles vorbeiziehen, haltlos.
Gingen wir doch lieber zu Fuß, langsam, bedächtig. Liefen wir doch lieber neben einander, statt hinter einander zu fahren, schlenderten wir gemütlich, uns nach allen Seiten umsehend, im Sonntagsschritt. Ließen wir doch einfach überholen, machten Platz, träten beiseite. Schauten in die Wolken.

Dann … ja was?

Vielleicht würde dann der Wein nicht sauer und das Brot nicht trocken. Vielleicht bliebe unser Kuss süß wie ein mit Honig getränkter türkischer Kuchen.

Was rede ich da …  Wär doch gelacht.


Mutter sagte

Mutter sagte:

Iss auf
dann gibt es schönes Wetter

Ich esse nun
seit achtundfünfzig Jahren
brav
meinen Teller leer

Und draußen
jagen die grauen Wolken


Nostalgie

Manchmal vermisse ich
die eine schwarze Tulpe
in Nachbars verwunschenem
Garten.

Dann mache ich mir
ein Butterbrot.



Istanbul - Notizen

starting position -
der Ruf des Muezzin
lichtgewebt
.
you again -
fünf Mal täglich
Waschung für Allah
.
c(h)at -
Katzen räkeln sich
im Vorhof der Moschee
.
sleepless -
die kleinen Läden
hellwach



early bird

wie lange noch

bis die anderen / aufwachen
auf der terrasse / liegt einer leise
schnarchend / die leere bierflasche
locker in der hand / übrig
geblieben / morgengestrandet
mundtrockene randexistenz
schamlos seich