ein Tag

nicht jeder / Tag ist so wie der heute der anfing und weiterging nahtlos von einem zum andern mal schlich mal hüpfte mal rannte mal still vor sich hin dümpelte nicht fragte nach dem warum und wohin und was jetzt sondern einfach war wie er war ein Tag

dann dieser / der fragt der sucht nichts klaglos nimmt der verzwickte vertrackte nicht Freund gut Feind weil vertraut so vertraut ihn nehm ich zur Brust  und versuch ihn zu stillen mit Milch längst versiegt

jetzt er / dieser Tag wie eine reife Frucht süß vollmundig kurz vor dem Bersten fast nicht zu ertragen schwer in der Fülle satt im Aroma ich leg ihn dir zu Füßen die Ernte von allem was gestern was heute was kommen will leg ich zu Füßen dir gib acht du bist sein Hirte

vom Reisen - der Koffer

Blüten fallen
auf den Koffer
den ich nicht gepackt habe
der leer ist

ich bleibe

auf dem Koffer sitzen
der mich erträgt
weil er sonst nichts
tragen muss

Ich wünsch mir (ein Gedicht)

dich auffangen zu dürfen
wenn du aus allen Wolken
fällst

es kommt selten vor
dass einer aus den Wolken fällt
ich wär gern dabei

vielleicht hättest du noch
Flügelansätze am Rücken
die würde ich dir
glatt streichen

auf Erden eckst du damit
nur an


Basel 2014

vier ältliche Jungfern
vor Urzeiten der Klosterschule
entsprungen
kurven versonnen lächelnd
in ihrer grauen Blechkiste
durch die engen Gassen
am Leonhardsberg

zwei mächtige Engel aus Holz
liegen gestrandet
im Kreuzgang des Münsters
einer hat die Hoffnung
bereits aufgegeben
der andere startet
einen letzten Versuch

sonst sind keine Engel unterwegs
es sei denn
die unscheinbar graue Feder
zu meinen Füßen
stammte von einem Engelsflügel
der mich unbemerkt
streifte

im botanischen Garten
zwei Frauen
eine junge eine alte
auf Schwyzerdütsch
schwatzen sie sich
das vertrackte Leben
gemütlich

drunten fließt Vater Rhein



treiben

du stehst am Ufer
während ich
treibe

~

in Gedanken
treibe ich wieder
rheinabwärts
ich sehe dich
am Ufer
ein Schatten


(Basel 2013 / 2014)