abends lesen

und
vor dem schlafengehn
ins wortkino wo
die wörter ziehen
wie stare in den süden
in wilden wolken
sich einnisten
im kopfkino
traumfänger brüten
bis zum morgen

die weiße Taube

Ich räume mir Platz ein
in meinem Leben
Raum nur für mich

Klopf an
bevor du eintrittst
Tritt vorsichtig ein
Barfüßig
Könnte sein
dass die weiße Taube
sonst flieht
eh du dich versiehst

Du könntest sie nicht
halten
Du fändest mich
nicht


Knospe

Die Knospe einer Liebkosung,
von keinem Gärtner gepflegt,
im Laub meines Körpers verborgen,
langsam,
unaufhaltsam sich öffnend,
macht mich freund* mit mir selbst.


* dieser Text ist eine Hilde Domin-Variation - bei ihr heißt es:
"macht mich fremd mit mir selbst"

???


Wie tief sind tausend Tränen?

Wann reist* ein starkes Band?

Was ist ein loses Ende?

Was währt endlos?

Gibt es die Frage aller Fragen?


Geht der Winter, wenn wir „Winter ade“ singen?


 * ich habe mich nicht verschrieben

atmen



gemeinsam atmen
ist ein fetzen blau
vom himmel