paula (an paula modersohn-becker)

ins flirrende paris
bist du gegangen
um dich zu leben

dich zu feiern

dein spiegelbild
du von dir selbst
gebannt auf leinwand

zu befreien

schwer und doch leicht
trägst du die kette
um den bloßen hals

du scheinst

befreit und doch
noch immer in den fesseln
einer frau

dein blick
ist unverwandt gerichtet
in dich selbst

zu früh holt dich
dein schicksal
wieder ein




Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag


kein anschluss

kein anschluss
unter dieser nummer
nur schweigen
stille

die zeit
stehen geblieben
gefühle
eingefroren

wohin mit
den fragen die
offen bleiben
in alle zukunft











Tummeln
im Herzfluss
ein Treiben
herzgebunden

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Dawa Lanius








dagegen das Blau
beweint sich selbst
frisst seine Kinder
speit sie wieder
aus tiefster Seele
ewig unerlöst

das Fahrrad

jeden Morgen
landet mein Fahrrad
neben einem anderen Gefährten
im Unterstand

abends
wenn ich es abhole
wirkt es nicht immer
glücklich

ich frage mich
was sie miteinander reden
den lieben langen Tag
da im Unterstand

im November

fühle ich gern schwarz
ich betrachte am liebsten
schwarz-weiße Bilder
und die schwärzesten Momente
kommen mir in den Sinn

ihre Schwärze ist so tief
dass darin alle Farben
aufscheinen

und ich denke dass
auch Schwarz
mit all seinen Schattierungen
dazu gehört
zum Leben

(das schreibt eine im November Geborene)

Foto: Elvira Neundorf