zeit

zeit ist ein raum
für mich
den ich blind ertaste
ängstlich begehe

ausgesetzt bin ich
in der zeit
selten umarmt sie mich
mütterlich




tagebuchnotiz

wieder feines federleichtes
gelesen
von anderen die sich
trauen
über schwankende hängebrücken
zu balancieren
ohne angst


regentropfen

als kind
pflückte ich sie
fing sie auf
ließ sie genüsslich
auf der zunge zergehn

süß waren sie

nur die schuhe
durften nicht nass werden
schon als kind
habe ich nasse füße
gehasst

kleiner meisengruß

husch husch
ins vogelhaus

kleinvieh
macht auch
mist

pickiertes klopfen
auf holz

und ab die post

allein

endlich allein
singe ich
mit gebrochener stimme
spreche
zu mir selbst
lausche
in mich hinein
empfange
eine vermisstenanzeige

wo war ich
die ganze zeit?