Erfolgsgeschichte

um ein Haar verlernten wir das Träumen
als Mutters Stöckelschuhe
uns endlich passten

als wir in Vaters Fußstapfen traten
verloren wir beinahe die Wolken
aus dem Blick

unsere Sehnsucht ging Zigaretten holen
als wir das Herz an den Einen
verschenkten

heute tragen wir Scheuklappen
weil uns die kleinste Regung zu Tode
schrecken könnte

fast
hätten wir es geschafft

wenn nur der rote Muskel
in unserer Brust endlich
Ruh gäbe

der falsche Film

im Hirn halb verdaute Brocken
aus dem Tag gerissenes
Treibgut noch nicht verankert
im Gefühlshafen

über mir die sieche Sonne
kraftlos zwischen den Häusern
hängend kaum mehr
als eine matte Tönung

mein Heimweg ein low-budget Film
verwackelt in Schwarz-Weiß
nachträglich koloriert und
miserabel vertont

fremdeln

ganz in gedanken
steh ich / neben mir

fremdelnd / nicht schwester
nicht freundin nicht / ich
eine mir unbekannte / die

ohne mich / fragend
mit meinem lächeln
in ihren augen / wirbt
um dich

Foto: e. h.
 .
das Telefon klingelt  -
dein Bild auf der Kommode
blickt mich fragend an
.

Suppenküche

Du bekommst etwas, das du eigentlich gar nicht wolltest. Du hast es dir nicht gewünscht, einer hat es dir zugeteilt. Selbstherrlich. Du weißt nicht, wozu es gut sein soll. Du nimmst es hin, eher widerwillig. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Du sitzt am Katzentisch, ein Ausgehungerter, der aus einer Blechschüssel  wässrige Brotsuppe schlürft und sich sicher ist, dass er davon niemals satt werden wird. Du schmeckst das schale Ungenügen, gierst nach dem Schlaraffenland.

Und plötzlich – du hast lange aufgegessen -  kommt der Punkt. Du fühlst dich satt. Du bist satt, angenehm satt. Nicht übermäßig, sondern wohlig satt, wohlgesättigt.  Es fällt dir wie Schuppen von den Augen. Du erkennst, dass du genau DAS gebraucht hast. Dass es gut für dich war. Dass es keine wässrige Brühe war, kein trocken Brot. Dass es dir dient, dich nährt, dich warm hält. Du erkennst seinen Nutzen, ja, vielleicht sogar seine Schönheit.

Einer hat dir Rosen in den Blechnapf geschöpft.
Manchmal geschieht es einfach.

Foto: Jeannette Frei