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Auszug aus dem gelobten Land -
die Nachbarn kehren zurück
in den Süden

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Mondnacht

wie viele Krater
hat der  volle Mond?

ich zähle endlos
nicke endlich ein
im Traum hör ich das Gras
für seine Kälber sprießen
ich heule mich
an seiner kahlen Schulter aus
bedecke seinen kühlen Mund
mit Küssen
bis er mir bleich
verwäscht
im Morgenlicht
bis Vogelstimmen
picken
an meinem Traum
dann küss ich ihn
ein letztes Mal
und lass ihn
ziehn
denn er ruht aus
wenn unser Tag
anbricht

kurz und bündig

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kurz und bündig
hält vielleicht ein leben
lang
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was lange währt
scheint
unendlich
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unendlich
ist irgendwann
zu ende


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früher wie heute

die fehlenden Teile
blieben verschwunden

keiner wusste wohin

alle Nachforschungen
waren erfolglos
Ersatzteile so rasch
nicht lieferbar

die Löcher mussten
notdürftig geflickt werden
auf die alte Art

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Ein Loch ist im Eimer, lieber Heinrich, lieber Heinrich
Ein Loch ist im Eimer, lieber Heinrich, ein Loch!

Verstopf’ es, liebe Liese, liebe Liese, liebe Liese
Verstopf’ es, liebe Liese, liebe Liese - mach’s dicht!

Womit denn, lieber Heinrich, lieber Heinrich, lieber Heinrich
Womit denn, lieber Heinrich, lieber Heinrich - womit?

Mit Stroh, liebe Liese, liebe Liese, liebe Liese
Mit Stroh, liebe Liese, liebe Liese - mit Stroh!



Menschenbilder

Da ist dieser muslimische Student, der unvermittelt seinen Rucksack beiseite stellt, ein Stück Stoff auf dem kalten Steinboden ausbreitet (direkt neben den Fahrradständern an der Uni) und sich gen Mekka verbeugt und betet.  Die Richtung vorgegeben. Zielsicher in seinem Glauben.

Da ist die junge Frau in der Oper, mehr breit als hoch gebaut. Sie trägt vor allem eine Handtasche aus rotem Lackleder, dazu ein mittelblaues, zu kurzes Kleid, dazu passende blaue Strümpfe und überaus zarte Stiefeletten im selben Blau mit Rot. Blau und Rot ist Bauernmod'. Stämmig. Eine Wucht.

Da ist die ältere Frau, der die Jugend ins Gesicht geschrieben steht, eine kostbare schwarze Tulpe. Die Augen Vergiss-mein-nicht. Der Mund Küss-mich-ich-bin-der-Frühling. Die Haare Rotgewölk im Abendlicht. Und neben ihr der Herr, so unscheinbar.

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frühlings erwachen
und du
bist noch da
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Wär doch gelacht ...

Wir steigen aufs Tandem und treten los, was das Zeug hält. Wir, das sind du und ich, das bist du, das bin ich. Wir treten los und hoffen, dass die Bremsen notfalls greifen. Wir trebbeln im Takt der Musik, unsrer Musik, die nur wir hören, wir zwei, du und ich. Wir sehen uns nicht um. Sieh-um-dich ist ein Angstwort.  Sieh-um-dich ist eine schmale Gasse, aus der kein Entkommen ist. Sieh-um-dich ist eine Hetzjagd im Dunkeln.
Wir trippeln und trappeln und lassen alles vorbeiziehen, haltlos.
Gingen wir doch lieber zu Fuß, langsam, bedächtig. Liefen wir doch lieber neben einander, statt hinter einander zu fahren, schlenderten wir gemütlich, uns nach allen Seiten umsehend, im Sonntagsschritt. Ließen wir doch einfach überholen, machten Platz, träten beiseite. Schauten in die Wolken.

Dann … ja was?

Vielleicht würde dann der Wein nicht sauer und das Brot nicht trocken. Vielleicht bliebe unser Kuss süß wie ein mit Honig getränkter türkischer Kuchen.

Was rede ich da …  Wär doch gelacht.