so ein Glück

so ein Glück hab ich
es kribbelt mir in den Fingern
brennt mir unter den Nägeln
liegt mir auf der Zunge
krabbelt mir leichthin über die Haut
so ein Glück hab ich

nur manchmal haut's mich
zurück aus dem Glück
dann ist's mir
haltlos
kopflos
sinnlos
dann liegt's da drinnen bloß
und friert

bis ich wieder fühl
so ein Glück hab ich
so ein Glück
mit dir

aus allen Himmeln gefallen

ich trat auf seinen Schweif
es geschah ohne Absicht
er lag am Boden

er reagiert
mit einem matten Zwinkern
erst
dann immer heftiger
blinkt er mich an
in Rage  
wirft stroboskopisch Blitze
knüpft wild sein Netz um mich
zackt außer Rand und Band
droht 
zu verschlingen
aus Rache
wie ein alter Gott
ein alter Gott

über (m)ich

 (alles, was sowieso niemanden interessiert)

Der Boden ist meine Reibungsfläche. Ich trete gern in Kontakt mit ihm, und sei es durch Fallen.
Ausnahme: die Gehwege in Berlin. Dort lauern zu viele Tretminen.

Ich mag Haut: junge glatte weiche, zärtlich feine faltig alte ...

Ich hasse Parfüm. Es ist ein Kampfmittel. Schlagmichtot.

Mein Plan war, in Würde zu altern. Jetzt will ich lieber in Würde jung bleiben.

Mein Hirn ist ein Labyrinth, keine Einbahnstraße.

Ich stelle mir manchmal vor, richtig guten Käse zu verkaufen. Ich sehe mich hinter der Theke stehen und über alle möglichen und unmöglichen Käsesorten herrschen. Und wehe, mir liefe einer davon, weil er zu alt wäre!

Nachts um halb zwölf klopft einer an meine Tür (das ist kein Käse und es ist auch nicht nachts um halb eins). Ich mach ihm nicht auf, weil ich weiß, da ist keiner.

Im Mündlichen kriege ich immer eine 5, die ich nur durchs Schriftliche ausbügeln kann. Deswegen schreibe ich (lieber).

So sieht's aus!

Garda

Wolkendecke -
geschlossene Gesellschaft
überm See

.

selbstvergessen -
eine Kapelle hockt
oben am Berg

.

kurvenreich -
Hühner verlieren gackernd
die Orientierung

.

am griechischen* See -
Salve! 
grüßt der junge Römer


* griechisch deswegen, weil das Wasser so türkis ist wie die Kuppeln der griechischen Kirchen

satte Stille

das muntere Plätschern
der Spülmaschine
das letzte Aufbegehren
der Waschmaschine
das gleichmäßige Rauschen
der Dunstabzugshaube
leises Dudeln
des Küchenradios
buntes Stimmengemurmel
des Fernsehers
die Tinnitusgeige
im Ohr

Hilfsmaßnahmen
Notaggregate
Überlebenswerkzeuge
eingesetzt zur Vertreibung
der satten Stille