Herbstzeitlosen


stolze Göttinnen
wachsen
in meinem Garten
herbstzeitlos
sind ihre Brüste
für immer jung
ihr wildes Haar
und ihre Küsse
bringen den Himmel
zum Erröten



plötzliche Begegnung mit dem Schnee von gestern


wie Schnee von gestern
schmelzen
verblichene Tapeten aus den Wänden
überfällt dich
der Geruch der alten Schule
die dich in Schönschrift
kaserniert hat
statt dich mit Fingerfarben
dichten zu lehren

gestern ist heute
bleibt dir für immer






berlin, das ist ...

udo lindenberg hat "cello"
nur für dich allein auf dem
behindertenklo von kaufland gesungen
es war viel platz und alles
sah ziemlich sauber
und grundverlässlich aus

dann das getöse des grauens ...

der flieger zum greifen nah
am himmel über tegel
pack ihn bezwing ihn
sei sisyphos und trag ihn
die paar lächerlichen kilometer
bis zum landeplatz

damit es ruhe gibt ...

du beneidest die nebelkrähe
die unbeeindruckt mitten auf dem gehweg
pickt was das zeug hält
sie ist berlinerin durch und durch
icke och icke och kräht sie
und eilt dem flieger nach

endlich (nicht nur) du im schoß der u-bahn ...

an gefühlt jeder zweiten station
steigt ein wohnsitzloser alexander zu
und bittet um eine einzige münze und
es bezeichnet den grad deiner erschöpfung
ob du in deine tasche greifst oder nur
wortlos in dich versinkst

allein das "ave maria" des
volltönenden bariton zwischen
botanischem garten und wannsee
richtet dich wieder auf
zu voller größe
du fühlst dich  g a n z

BERLIN ...

kleine herbstsonate

keinort nirgendwohin
littlewing bumblebee bumerang
brummdumm

Mutterkuchen


Sonntag 15:07 -
der noch warme Kuchen schmeckt
nach Kindheit

 .

familiensonntag

familiensonntag -
per whatsapp marmorkuchen
und nutellataschen ausgetauscht

rotes Käppchen


Käppchen rot und
Augen himmelblau
voll mit Kurzgeschichten
vom weit offenen Leben

holt der Wolf dich
hat ein samtnes Maul
will das Käppchen nicht
dem Jäger geben

deine Mutter
waidwund in den Augen
muss dich suchen 
muss den Jäger bitten

und der Kuchen
samt dem Weidenkörbchen
wird vom nächsten besten
Hund beritten

gib nur acht sonst
holen ihn die Raben
Raben wollen haben haben
haben










Alleen im Herbst


verlassene Nester
weiße graue schwarze
Federn die
aus Kronen schweben
ins fein gesponnene
Altweiberhaar
alleine kannst du sein

im Herbst

der Zug der flüggen Vögel
nimmt nur dein Auge mit
dein Fuß bleibt da
verwurzelt
zwischen gestern morgen
greifst du nach heute
mit manchmal müder Hand