Vier Weibs-Bilder II

Die Königin von nebenan, das rote Haar um die Schultern gelegt wie ein Purpurmantel. Eiliges Klacken hoher Absätze verflüchtigt sich die Straße entlang in Richtung Supermarkt. Ein Duftschleier fegt den Gehsteig leer. 

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Ein Granitblock. Sie thront im engen Gang des Supermarkts. Sie blockiert den Ausstieg im Bus. Ihre Rüstung ist glanzlos. Sie walzt jeden nieder, der nicht ausweicht. Ihr Lachen bringt mächtige Brüste zum Beben. In der Luft erste Anzeichen eines Gewitters.

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Ihre Lippen bewegen sich pausenlos, formen unhörbare Worte. Sie wendet sich einer Begleiterin zu. Aus ihrem Mund quillt unvermittelt ein Strom fremdartiger Laute. Die Begleiterin nickt stumm. Der Wortstrom versiegt allmählich und dümpelt im Stillen endlos weiter.

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Und SIE möchte ich zu gern beschreiben. Und kann es nicht, weil an ihr nichts Auffälliges ist. Nirgendwo kann ich meinen Haken einschlagen. Noch nicht einmal ihre schwarze Haut ist der Rede wert. Sie ruht in sich. Vollkommen.



Kommentare:

schreibtalk hat gesagt…

WOW ......

wildgans hat gesagt…

Weibsbilder. Starkes Wort - Deine Miniaturen beschreiben mit ausgesuchten, klaren literarischen Utensilien ganze weibliche Leben. Man merkt Dein Rüstzeug! Beifall!
Gruß von Sonja

herbst.zeitlosen hat gesagt…

dankeschön, ihr beiden ... die Weibs-Bilder werden sicher in lockerer Folge weitergeführt. Es gibt einfach so viele bemerkenswerte davon auf der Welt!