Erna - Alle Jahre wieder: 2011, die Letzte

Erna ist ein verqueres altes Ding. Immer, wenn es bei anderen so richtig gemütlich wird und sie das Singen anfangen, trippelt Erna auf meinen Blog. 

Morjn, Erna!“



 

Alle Jahre wieder – 2011, die Letzte

Erna und Hündchen stehen vor Ernas Haustür. Hündchen guckt erwartungsvoll, aber der Schwanz wedelt eher verhalten, ein wenig unsicher. Dieses Haus kennt es nicht, das ist nicht sein Haus. In seinen Blick schleicht sich ein leiser Anflug von Verzweiflung, aber noch hält sie sich in Grenzen. Es könnte alles gut werden. Ein richtiger Hund gibt die Hoffnung nicht so schnell auf.  Eine Hundehoffnung ist etwas ganz Starkes. [Anmerkung der Autorin: Katzen hoffen nicht. Katzen wissen.] 



Erna werkelt mit dem Schlüssel herum. Der vermaledeite Kerl hakt im Schloss. Er will sich nicht drehen. Der Schlüssel ist männlich. Sein Kopf glänzt kahl, aber der Bart ist schlecht gestutzt. Männer!, grantelt Erna ungeduldig und stößt den Bart des Schlüssels wieder und wieder ins Schloss, ruckelt hin, ruckelt her, zerrt, drückt. Nichts zu machen. Der Sesam öffnet sich nicht.

Im selben Moment wird die Tür von innen aufgerissen. Erna fällt fast durch die Türöffnung, ein weicher Körper stoppt ihren Flug. Schon wieder der wohlbekannte Giftgasangriff,  jetzt allerdings ohne süße Träume.

Da bist du ja, Lumpi!, hört sie, und: Du böser, böser Hund!, und: Du kannst doch nicht einfach verschwinden!

Hündchen, das jetzt plötzlich einen Namen hat, winselt erbärmlich, sein Schwanz wackelt nur noch andeutungsweise, seine  Augen tränen.

Die Junge hat grimmige Miene zum traurigen Spiel aufgesetzt. Ihre Augen sind stahlblau, trocken, hart wie Murmeln. Der rote Nagel ihres Zeigefingers weist Hündchen den Weg. Ab durch die Mitte, rein ins Haus. Zaudernd, mit eingeklapptem Schwanz, folgt Hündchen dem Finger. Es ist nicht sein Haus, nicht seine Wohnung. Sie ist nicht sein Herrchen. Er ist ein armer Hund. Alles Hundeglück ist auf einen Schlag aus seinen Augen verschwunden. Die Tür fällt krachend hinter Frau und Hund ins Schloss.
 

Hundeengel Erna steht da wie ein begossener Pudel. Sie weiß nicht, wie ihr geschieht. Sie versteht gar nichts mehr. Die Flügel hängen, der Rücken wird krumm, die gefühlten zehn Zentimeter Zuwachs sind - hast du nicht gesehen - mir nichts, dir nichts verschwunden. Erna ist nur Erna. Wieder ist Weihnachten, und alle Jahre wieder passiert nichts.

Du  mein schöner, glänzender Schatz, flüstert Erna dem immer noch blinkenden Schlüssel in ihrer Hand zu. Sie steckt ihn ins Schloss, butterweich gleitet er hinein, dreht sich wie von selbst, ohne Umstände öffnet sich die Tür.

Geht doch, nölt der Schlüssel leise. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!, tönt es sphärisch. Und Erna gleitet wie von guten Mächten geleitet die Stufen hoch, zurück in die Wohnung. 


Foto und Zeichnung: Jeannette Frei
Abenteuer, es war ein Abenteuer. Abenteuer machen müde. Die Zeit gähnt hinter vorgehaltener Hand und ruft zum Mittagsschlaf. Einkaufen läuft nicht weg, Einkaufen findet rund um die Uhr statt. Trotz Weihnachten. Und außerdem gibt’s Butterbrot. Das schmeckt sowieso am besten. Gerade an Weihnachten. 
 

Kein guter Schluss, ich weiß. Aber so ist das Leben oft. Man muss sich zufrieden geben, mit dem, was ist, und versuchen, daraus das Beste zu machen. Es grüßt die einarmige Schreiberin.


Kommentare:

ahora-giocanda hat gesagt…

Erna und Lumpis Geschichte geht mir unter die Haut, umsomehr unser Weihnachten durch den Besuch einer edlen Hundedame gekrönt wurde.

Ihr Schicksal ist aber ein besseres. Sie hat ein, (nein jetzt hat sie zwei), wirklich gute Zuhause.

Kommt unsere Tochter mit ihr zu Besuch, kann es ohne weiteres passieren, dass Persa ihren Willen durchsetzt und bei uns bleibt.

Aufgewertet wachsen wir um 10 cm, stolz leuchten unsere Augen.

wildgans hat gesagt…

Köstliche Erna!

Anonym hat gesagt…

Erna könnte doch am Sylvesternachmittag auf Lothar gestoßen sein, so ein Zufall - oder wie heisst er denn? Und dann haben sie zusammen eine Currywurst gegessen, unterm Schirm im Regen und ....
und am Abend lachte Erna vor sich hin, während sie an ihn denkt. Wie alt er aussieht und immer noch hat er die gleichen Scherze parat. Auf die ist sie noch nie gestanden. Trotzdem...
Erna ade, bis zum nächsten Jahr!!
Gruß an die einarmige Monika, Jeannette

herbst.zeitlosen hat gesagt…

... nächstes Jahr, dann muss was passieren, endlich, weil so viel Pech hat ja die Erna nicht verdient. Nächstes Jahr, dann schauen wir mal, ob's bis zur Currywurst mit dem Lothar oder wemauchimmer reicht ;o) der Mann muss jedenfalls her!!!